"Das Leben sei eine Maskerade, erklärst Du, und das ist Dir ein unerschöpflicher Stoff zum Vergnügen, und noch ist es niemandem gelungen, Dich so zu erkennen; denn jede Offenbarung ist immer eine Täuschung, so nur kannst Du atmen und verhindern, daß die Leute auf Dich eindringen und die Respiration beeinträchtigen. Weißt Du denn nicht, daß einmal eine Mitternachtsstunde kommt, da ein jeder sich demaskieren muß, glaubst Du, daß das Leben immer mit sich spassen läßt, glaubst Du, man kann sich kurz vor Mitternacht wegschleichen, um dem zu entgehen? Oder schreckt Dich das nicht? Ich habe im Leben Menschen gesehen, die andere so lange betrogen, daß zuletzt ihr wahres Wesen sich nicht mehr offenbaren konnte; ich habe Menschen gesehen, die so lange Verstecken spielten, daß zuletzt Wahnsinn durch sie ebenso widerwärtig anderen ihre heimlichen Gedanken aufdrängte, die sie bis dahin stolz verborgen hatten. Oder kannst Du Dir etwas Entsetzlicheres denken, als daß es damit endete, daß Dein Wesen sich in eine Vielfalt auflöste, daß Du wirklich zu mehreren, daß Du gleich jenen unglücklichen Dämonischen eine Legion würdest und Du solchermaßen das Innerste, Heiligste in einem Menschen verloren hättest, die bindende Macht der Persönlichkeit? Du solltest wahrlich nicht spassen mit dem, was nicht nur ernst, sondern furchtbar ist."
 
"In jenem aufblitzenden Lichtpunkte regt sich etwas wie Angst; es ist, als werde er unter dem tiefen Dunkel in Angst geboren – ebenso ist Don Juans Leben. In seiner Seele regt sich eine Angst, welche aber mit der Energie seines Wesens eng zusammenhängt, ja eins mit ihr ist. In der Ouvertüre läßt sich keineswegs, wie man wohl gesagt hat, die Stimme der Verzweiflung hören. Don Juans Leben ist fürwahr nicht Verzweiflung; vielmehr ist es die ganze Nacht der Sinnenlust, welche unter Ängsten geboren wird."
„Von Kindheit an war ich in der Gewalt einer ungeheuerlichen Schwermut, deren Tiefe ihren einzigen wahren Ausdruck findet in der mir vergönnten gleich ungeheuerlichen Fähigkeit, sie unter scheinbarer Heiterkeit und Lebenslust zu verstecken … Ich bin auch nie, nur einen Augenblick in meinem Leben von dem Glauben verlassen gewesen, man kann, was man will, nur eines nicht, alles andere sonst unbedingt, eines aber nicht, nicht die Schwermut beheben, in deren Gewalt ich war.“
 
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Felicitas Erb

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